Neue Produkte in der Krise

Julia Stojanovic betreibt bereits seit 2014 ihr Yoga-Studio zeit.raum in der Kammgarnfabrik in Bad Vöslau. In Zeiten der Kontaktbeschränkungen durch Corona trifft auch sie natürlich diese Krise hart. Heftige unternehmerische Entscheidungen mussten bereits in den ersten Tagen getroffen werden, aber sie blickt positiv in die Zukunft.

Foto: Pixabay

mosaik: Wie haben Sie die Corona-Krise bezüglich Ihrer Mitarbeiterinnen bewältigt?
Julia Stojanovic: Bei meinen Trainerinnen handelt es sich um freie Dienstnehmerinnen, die seit Wochen gar nichts verdienen. Menschlich gesehen war das für mich sehr schwierig, sagen zu müssen, es gibt bis auf weiteres in meinem Studio keine Verdienstmöglichkeiten für euch, da ich allen menschlich sehr verbunden bin. Ich habe ihnen vermittelt, dass wir nun so gesehen den Gürtel enger schnallen müssen, damit dann, wenn alles vorbei ist, das Studio in gewohnter Weise weiter existieren kann. Ich habe da glücklicherweise sehr großes Verständnis von allen bekommen.

mosaik: Können Sie schon beziffern, wie viel Umsatzeinbußen Sie durch Corona heuer haben werden?
Stojanovic: Das Umsatzminus ist derzeit noch nicht bezifferbar. Ich habe die größten Ausgabeposten gestrichen und die Monatskarten der Kunden „pausieren“ momentan, bedeutet, diese laufen nach der Sperre weiter. Meine Kunden mussten sich auch für die mittlerweile laufenden Online-Kurse 10er-Blöcke kaufen, d.h. sie konnten nicht einfach mit ihrer Monatskarte online weitermachen. Das Online-Angebot wurde bisher gut angenommen.

mosaik: Das bedeutet, Sie haben auf Online-Yoga umgestellt? War das schwierig für Sie?
Stojanovic: Die Arbeit mit Online-Videos ist definitiv mehr Arbeit als das Abhalten von Kursen im Studio. Denn es ist wesentlich anstrengender und auch von der Konzentration her intensiver. Ich produziere derzeit fünf Videos die Woche, dann kommt noch das Video bearbeiten hinzu, ebenso das Komprimieren, um es hochladen zu können, was auch wieder eine Zeit lang dauert. Die Videos werden von mir mit einem sehr guten Fotoapparat aufgenommen. Sich das alles anzueignen, war gar nicht so einfach, aber ich habe mich da wirklich hineingekniet. Und dann auch entschieden, dass diese Stunden kostenpflichtig sein müssen – einfach auch um der Wertigkeit meiner Arbeit willen und dass das zeit.raum weiter existieren kann.

mosaik: Wie sehen Sie die vielen Gratis-Angebote, die durch andere in dieser Krise online durchgeführt werden?
Stojanovic: Ich habe mir zu Beginn der Corona-Krise gleich online Vorträge dazu angesehen und ein Tipp war immer wieder, nicht die Preise zu senken! Sondern vielmehr neue Produkte mit neuen Preisen zu etablieren. Und so bin ich es angegangen ... ich habe so auch „neue“ Online-Kurse bzw. -Produkte geschaffen, die gut angenommen werden. So nutzen zum Beispiel diese Einheiten viele Mamas, da die Links 24 Stunden lang abrufbar sind und sie somit den Zeitpunkt ihrer Yoga-Einheit über den Tag verteilt selbst bestimmen können.

mosaik: Sind Ihnen Ihre Kunden treu geblieben?
Stojanovic: Ja sehr! Jene, die sonst auch viele Yoga-Kurse besuchen bzw. speziell mich als Trainerin haben wollen, sind nun auch online mit dabei. Ebenso einige, die einfach das Studio mit unterstützen wollen. Auch Senioren machen fleissig mit, da die Videos über You Tube leicht abrufbar sind.

mosaik: Wie sieht mittelfristig die Zukunft aus?
Stojanovic: Vor September werden nach derzeitigem Stand wahrscheinlich keine Kurse drinnen im Studio stattfinden. Ich habe bereits einige Ideen für die Zeit im Sommer. Eine davon ist eine Kombi von Onlineklassen und Outdoorstunden, für die wir jetzt bereits ein feines Plätzchen im Freien gefunden haben. Natürlich alles im Rahmen der gesetzlichen Auflagen. Bei allem habe ich den Vorteil gegenüber anderen Branchen, dass man Yoga auch online anbieten kann. Es gibt genug Branchen, die ihre Produkte nicht so einfach online oder im Freien umsetzen können.

mosaik: Bekommen Sie Förderungen?
Stojanovic: Bei der Miete habe ich eine Stundung bekommen, die natürlich langfristig gesehen, nicht viel bringt, sondern nur momentan. Ich lege immer etwas weg, um es dann beisammen zu haben. Eine Hoffnung ist, dass vielleicht noch andere Förderungen hinzukommen. Mein Steuerberater beschäftigt sich gerade damit. Aber ich muss sagen, ich rechne gar nicht damit, dass mich jemand unterstützt, sondern suche nach anderen Lösungen. Ich weiß aber natürlich auch, dass es EPUs gibt, die wirklich Existenzsorgen haben, und darum kämpfen, etwas zu bekommen, obwohl sie ihr Unternehmen gut führen.
mosaik: Vielen Dank für das Interview!

 www.zeitraum-studio.at

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