In einem äußerst musikalischen Haushalt aufgewachsen, war die Musik von Geburt an wichtiger Teil im Leben von Dorothy Khadem-Missagh. „Meine Mutter hat immer viel gesungen, so habe ich schon als Ungeborenes im Mutterleib ihre Stimme gehört. So war mir bereits als kleines Mädchen die Stimme als allerwichtigstes Instrument bewusst“, erzählt die Badenerin zu ihren musikalischen Wurzeln.
In ihrer Musikerfamilie war klassische Instrumentalmusik immer auf sehr hohem Niveau präsent, aber zugleich auch das Bewusstsein, dass man für dieses Niveau sehr viel üben muss. „Ich hatte also genügend Vorbilder in meinem Umfeld“, schmunzelt die junge Pianistin, allerdings wurde nie Druck auf sie ausgeübt, sie solle Musikerin werden. „Für mich war der Umgang mit Musik und Instrumenten vorerst wie für jedes Kind ein spielerischer, aus Eigeninitiative heraus ist es dann mehr geworden“, erzählt Dorothy Khadem-Missagh im Gespräch mit mosaik. Ihr allererstes Instrument war allerdings nicht das Klavier, sondern das Cello: „Weil es das so klein noch nicht gab, hat ein befreundeter Musiker meines Vaters eine Bratsche für mich umgebaut.“ Sie habe es immer als Privileg empfunden, mit so hochstehenden Musikern vieles ausprobieren zu können.

Mit drei die Entscheidung für „ihr“ Piano
Mit drei Jahren begann die Badenerin Geige zu spielen: „Ich hatte eine sehr gute Lehrerin, das hat mir bis heute eine gute musikalische Grundlage gegeben.“ Bereits rund vier Monate später stieg das Mädchen auf das Piano um, kurz vor Eintritt in die Volksschule hat sie sich definitiv für das Klavier entschieden und wurde auf der Universität aufgenommen. Ihre erste Lehrerin war Margit Fussi, die zunächst zögerte, so ein kleines Kind zu unterrichten. „Aber meine Mutter betonte – ‚Dorothy will unbedingt!‘ –“, schmunzelt die junge Pianistin und so wurde mit dem Unterricht begonnen. Das erste Ziel der kleinen Dorothy war damals, das 1. Präludium von Johann Sebastian Bach zu erlernen – „überraschenderweise ein Ziel, dass ich entgegen der Erwartungen dann doch erreicht habe. Einfach weil ich es unbedingt wollte“, erzählt die zielstrebige Badenerin mit Augenzwinkern. „Wenn es um Musik geht, ist es als Elternteil, denke ich, einfach wichtig, die Freude daran beim Kind zu wecken“, betont sie, nur so könne auch dieser leidenschaftliche Ehrgeiz entstehen. Es war eher ungewöhnlich, bereits als Kind an der Universität für Musik und darstellende Kunst aufgenommen zu werden, „damals gab es noch keine Altersvorgaben für die Aufnahmsprüfung“, erzählt sie, seit kurzem hat sie nun ihren Magistra.

„Schule immer wichtig!“
Trotz aller Leidenschaft für die Musik, war es Dorothy und ihren Eltern wichtig, dass sie ihre Schullaufbahn ordentlich abschließe. „Natürlich hatte ich schon durchaus Phasen, wo ich mich gerne nur auf die Musik konzentriert hätte, aber meine Eltern hatten da eine ganz klare EInstellung.“ „Eine breite Ausbildung war ihnen immer wichtig, einfach weil es den Horizont des Menschen erweitert“, so Khadem-Missagh. Sie habe immer sehr vielfältige Interessen gehabt. Maturiert hat die junge Pianistin schließlich im Gymnasium Frauengasse in Baden: „Ich war nicht von der Anerkennung für meine schulischen Leistungen abhängig, ich hatte meine Musik. Den starken Ehrgeiz mancher MItschüler konnte ich daher nicht immer nachvollziehen und habe mich bemüht, eine Balance zu finden. Das Verständnis einzelner Lehrer und die Wertschätzung der Schule für meine künstlerische Tätigkeit weiß ich bis heute zu schätzen.“

Zu Gast in aller Welt
Und nun ist die junge Badenerin mehrfache Preisträgerin unterschiedlicher Wettbewerbe wie dem Internationalen Beethoven Wettbewerb in Bonn, bei dem sie von der namhaften Jury einstimmig mit dem Kammermusikpreis ausgezeichnet und ihr der
Beethoven-Haus-Preis verliehen wurde. Vom Publikum wurde sie zum „Audience Favourite“ gewählt. Sie ist Gewinnerin des Béla Bartók Wettbewerbs, Finalistin der New York International Piano Competition und Preisträgerin des Klavierwettbewerbs in Ettlingen sowie des Internationalen Klavierwettbewerbs „Ricard Vines“ in Spanien.
Eine aufstrebende Karriere führte die Pianistin bereits auf viele internationale Konzertpodien sowie zu renommierten Festivals. 2011 debütierte sie im Großen Saal des Wiener Musikvereins. Dorothy Khadem-Missagh ist als Solistin und Kammermusikerin regelmäßig im Wiener Konzerthaus und im Musikverein zu Gast und konzertierte bei renommierten Festivals wie dem Mosel Musik Festival in Trier, der Styriarte Graz, Allegro Vivo, dem Norwegian Youth Chamber Music Festival, dem Internationalen Kyoto Festival u.a. Konzertreisen führen sie durch ganz Europa, nach Japan und China sowie nach Kanada und in die USA. Dorothy Khadem-Missagh ist Stipendiatin der Wiener Beethoven Gesellschaft und der Nippon Foundation.
Bedeutende musikalische Impulse erhielt sie zudem von Martha Argerich, Pavel Gililov, Elisabeth Leonskaja, Lilya Zilberstein und Rudolf Buchbinder, sowie im Rahmen der Verbier Festival Academy von Sir András Schiff, Arie Vardi, u.v.a.

Die Musikerin ganz privat
Die Familie hat für Dorothy Khadem-Missagh einen hohen Stellenwert. Als jüngstes Kind ist sie umgeben von einer großen Familie mit Nichten und Neffen und schätzt besonders die Erweiterung durch die Familie ihres Mannes. Als Bahá‘í bewegt sie vor allem das Zitat: „Ihr seid die Blätter eines Zweiges und die Früchte eines Baumes. Verkehrt miteinander in inniger Liebe und Eintracht, in Freundschaft und Verbundenheit.“ Dieses Verständnis bedeutet für sie: „Die Liebe und Wertschätzung, die man innerhalb einer Familie für einander empfindet, auszuweiten und sich zu bemühen, auch bei anderen Menschen auf das Gute zu blicken.“
Das Umfeld, das für eine erfolgreiche Musikerkarriere erforderlich ist, ist mit dem Team rund um einen Hochleistungssportler zu vergleichen. Wo es im Sport eine Selbstverständlichkeit ist, so ist es im klassischen Bereich der Musik eine Seltenheit, solch eine Unterstützung zur Verfügung zu haben. „Ich habe besonderes Glück mit meinem Umfeld“, sagt sie dankbar und bezieht sich dabei auf das Verständnis für ihren Beruf, das ihr Mann ihr entgegenbringt. Denn das Musi­kerleben bedeutet nicht nur, zu musizieren. „Da ist es oft auch notwendige Arbeit, alles zu organisie­ren“, erzählt sie, Selbst­management, Netzwerken und ein gutes Zeitmanage­ment sind unabding­bare Voraussetzungen, „denn die Musikwelt hat sich dahingehend auch sehr verändert.“
Sie findet auch besonderen Gefallen daran, ganz vielseitige Konzertprogramme zu gestalten. So trat sie Anfang dieses Jahres mit Ursula Strauss gemeinsam im Wiener Konzerthaus auf – mit einem Programm, das Musik und Dichtung ineinander verschmelzen ließ, oder gab gemeinsam mit Musikern der Wiener Philharmoniker ein umjubeltes Konzert. Sie gestaltet Konzertabende mit ver­schiedenen Künstlern und mag es, dem Publikum einen historischen Zu­sammenhang zu präsentieren. So spricht die junge Panistin zu ihrem Publikum „oft auch einfach spontan, denn ich bin ein­fach gern in Kontakt mit meinem Publikum. Denn die Musik vereint und in der Musik erkenne ich die Erfüllung, dass die Erde nur ein Land ist und alle Menschen ihre Bürger.“ (zed)
Foto: Nancy Horowitz

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