Für Teenager zwischen 12 und 18 Jahren stellt sich eine Entscheidung oft als schwierig dar, vor allem dann, wenn sie umfangreiche Argumentationsfähigkeit notwendig macht. Jugendliche befinden sich noch in der Entwicklung – sowohl körperlich, wo die Hormonumstellungen weitgehende Folgen auf ihren Alltag und ihr Denken sowie Fühlen und Handeln haben, als auch psychisch. Schließlich steht eine große Lebensveränderung, nämlich jene des Erwachsenwerdens, an.
Vor allem Jungen reagieren auf anstehende Entscheidungen oft mit Kommentaren wie „ist mir egal“ oder „wie auch immer“. Burschen können vergleichsweise oft noch schwieriger mit Entscheidungen umgehen als Mädchen, da ihre Gehirnentwicklung noch in vollem Gange ist. Nach Ansicht der amerikanischen Akademie der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist jener Teil des Gehirns, der instinktive Reaktionen wie Angst und Aggression steuert, bei den Jungen schneller als der präfontale Kortex, der Denken und Entscheidungsfähigkeit steuert, entwickelt. Damit wird begründet, dass Jungen wahrscheinlich auf einschneidende Entscheidungen impulsiver reagieren als Mädchen.

„Mama, wie soll ich mich entscheiden?“
Sechste Schulstufe in Österreich: Unser System fordert die erste schwerwiegende Entscheidung von Jugendlichen, sich für einen bestimmten Schultyp – im Gymnasium beispielsweise – zu entscheiden. Fragen wie „wofür bin ich geeignet?“, „worin bin ich wirklich gut?“, „was interessiert mich wirklich – Sprachen, Mathe, Physik oder doch mehr Sport oder der musische Zweig?“, quälen die Jugendlichen. Nur wenige Teenager wissen bereits jetzt genau, was sie vielleicht beruflich als Erwachsene machen wollen und orientieren sich bei dieser Entscheidung danach. Jugendliche, die vielleicht bereits voll in der Pubertät stecken und deshalb die Gefühle verrückt spielen, fühlen sich angesichts solcher Entscheidungen verständlicherweise überfordert.
Nicht nur einmal wird hier an die Eltern in dieser Unsicherheit die Frage gestellt: „Wie soll ich mich entscheiden?“. So mancher Elternteil wählt hier vielleicht die Unterstützungsform, in dem er seinem Kind diese Wahl ganz einfach abnimmt, sein Kind sozusagen immer noch an der Hand nimmt ...
Wie funktioniert unsere Entscheidungsfähigkeit?
Jeder selbstreflexierte Erwachsene weiß nur zu gut, dass die Sache mit Entscheidungen niemals einfacher wird. Wie oft stehen wir als Erwachsene in unserem Leben vor Weggabelungen, bei denen wir sehr lange Zeit grübeln, wie wir uns entscheiden sollen. Wo wir zwischen den rationalen Argumenten unseres Gehirns und jenem sogenannten „Bauchgefühl“ hin und her gerissen sind?
Wie soll sich also ein Teenager orientieren, der erstmals mit diesen dualen Gefühlen konfrontiert ist? Als Elternteil ist diese Zeit eine sehr herausfordernde – will man schließlich seinem Kind viele falsche Entscheidungen, die man vielleicht selbst gemacht hat, ersparen und auf der anderen Seite sein Kind befähigen, erwachsen zu werden und für eigene Entscheidungen grade zu stehen.
Loszulassen und einfach nur für sein Kind dazusein, scheinen hier wohl die zwei ratsamen Säulen in den Jahren der Pubertät.
„Selbstbefähigen und sich als assistierender Wegbegleiter und Zuseher betrachten, die eine sichere Basis darstellen, zu der Teenager immer wieder zurückkehren können“, rät in diesen Situationen auch Patricia Weiner, psychologische Beraterin in Familien- und Erziehungsfragen.
Natürlich juckt es einen als Elternteil aufgrund der eigenen Lebenserfahrung seinem Kind zu sagen, was es tun solle. „Vermeiden Sie vorschnelle Ratschläge“, rät aber die Expertin mit ihrer Praxis in Bad Vöslau beheimatet, besser sei es, nachzufragen, welche Lösungsvorschläge der Teenager selbst hat bzw. wie er die Situation sieht. Kein einfaches Unterfangen als Erwachsener, aber ein erster wichtiger Schritt des Loslassens und Heranführens an die eigene Entscheidungsfähigkeit des Teenagers, schließlich befinden sich in dieser Zeit die Jugendlichen in ihrer ersten großen Phase des Loslösens von zuhause, ihrem ersten Schritt auf dem Weg des Erwachsenwerdens.
„In solchen Situationen ist es ratsam, vorerst nachzufragen, ob mein Kind meinen Rat bzw. meine Meinung überhaupt hören möchte“, so Weiner, Zuhören sei hier oft viel hilfreicher.
Und mal ganz ehrlich: Wollen wir als Erwachsene immer gleich einen gutgemeinten Rat von anderen hören, wenn wir vor einer großen Entscheidung stehen? Oder geht es uns nicht auch viel öfters nur um das richtige Zuhören oder die Fragen zum Thema, die uns unsere Mitmenschen stellen. Wie oft ärgert man sich über „Ratschläge“ von Müttern, Schwiegermüttern oder Freundinnen?

Verbalisierte „Du“- statt „Ich“-Botschaften
Ganz wichtig bei Gesprächen mit seinen Teenager-Kindern sind laut Patricia Weiner „ICH“- statt „DU“-Botschaften. In dieser sensiblen Entwicklungsphase ist es wichtig, seinem Kind auch verbal zu verstehen zu geben, dass man nur zuhörender Beistand ist. Mit Ich-Botschaften wie beispielsweise „Ich bin der Meinung...“ oder „Ich sehe das so und so…“ gelingt dies sehr gut.
Als Grundhaltung sei es wichtig, „Vertrauen in seine bisherige Erziehungsarbeit zu haben“, betont Weiner, „einzusehen, dass ich bisher mein Kind bestmöglich begleitet habe, sodass es mit dieser Situation umgehen kann.“ Erzieherische Interventionen werden in diesem Alter meist nicht mehr zugelassen. Eine ganz normale Haltung in der Pubertät: Denn nur durch eine gewisse „Rebellion“ und einem standhaften Vertreten der eigenen Meinung kann sich der Teenager auch zu einem selbstbewussten Erwachsenen entwickeln.
Und ganz wichtig: „Die Akzeptanz der Entscheidungen, Umgangsweisen und Weltsicht meines Kindes – auch wenn ich es anders sehe oder machen würde“, betont die Expertin. Denn Fehler sind wichtig und in Ordnung – „Teenager lernen erst, sich in der Welt zurecht zu finden und müssen dafür Dinge probieren und Grenzen austesten. Vorwürfe machen hier wenig Sinn“, so Weiner.
Viel wichtiger sei es, als Eltern ein Sicherheitsnetz zu spannen, welches den Teenager immer wieder auffängt. Ebenso wichtig: Feedback geben, Loben, Bestärken im Ausprobieren. (zed)

Tipp der Herausgeberin, Mutter dreier Teenager:
In schwierigen Situationen seinem Teenagerkind einen Brief mit allen Pro & Contras – aus der eigenen Sicht! – schreiben. Vorteil: Es kommt vielleicht weniger zu heißen Diskussionen und man kann geordnet und in respektvollem, vorsichtigem Tonfall seinem Kind eventuelle Möglichkeiten aufzeigen.
• Wenn vorhanden, ältere Teenagerkinder in den Meinungsaustausch zur anstehenden Entscheidung miteinbeziehen. Dies vermittelt dem jüngeren Teenager, dass man als Elternteil die Meinung seiner jugendlichen Kinder als sehr wichtig erachtet. Und der ältere Teenager kann sich vielleicht besser in die Gefühlswelt des Jüngeren hineinversetzen.

Patricia Weiner:
• Psychologische Beraterin mit Schwerpunkt Eltern- und Familienberatung – v.a. in Konflikt- und Krisensituationen
www.nah-am-leben.at

Foto: Pixabay

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