Gerlinde Buchberger aus Bad Vöslau

mosaik: Wie lange leben Sie in Bad Vöslau, was haben Sie beruflich gemacht?
Gerlinde Buchberger: „Mein Mann Gerhard und ich sind 1976 von Baden nach Bad Vöslau gezogen und haben es nie bereut. Ich habe ursprünglich Anglistik und Geografie für das Lehramt studiert und war mehr als 20 Jahre mit großer Freude Lehrerin am BG Biondekgasse. Nach einem Sabbatical in England und Frankreich im Schuljahr 1985-86 begann ich auch an der Pädagogischen Akademie zu unterrichten und wechselte im Jahr 1998 ganz dorthin. Als in den 1990er-Jahren klar wurde, dass moderne Medien und Online-Lernen bzw. Fernlehre neue Perspektiven im Bildungsbereich eröffnen, wuchs mein Interesse an diesen Themen. Ich absolvierte zwischen 1999 und 2001 einen dreijährigen MA-Kurs zum Thema „Open and Distance Education“, ein Bereich, der in der österreichischen Lehrer-Ausbildung leider lange vernachlässigt wurde.“

mosaik: Engagieren Sie sich in der Stadtgemeinde?
Buchberger: „Solange ich berufstätig war, nur sehr eingeschränkt. Allerdings war die Gründung der interkulturellen Initiative „Frauenvielfalt“ 2007 in Vöslau ein Wendepunkt für mich und ich schloss mich dieser Gruppe an.  Neben unseren monatlichen Treffen versuchten wir, interkulturelle und frauenspezifische Themen durch Podiumsdiskussionen, Ausstellungen, Koch- und Handarbeitsnachmittage, uvm. der Öffentlichkeit näherzubringen. Dabei arbeiteten wir immer wieder mit der Stadtgemeinde und dem Arbeitskreis ‚Integration‘ zusammen. Die ‚Frauenvielfalt‘ besteht inzwischen seit 13 Jahren und wird immer bunter, was uns alle sehr freut.“

mosaik: Seit wann engagieren Sie sich für Flüchtlinge?
Buchberger: „Mein Mann und ich lernten in den 70er Jahren ‚Amnesty International‘ kennen und waren sehr beeindruckt. 1977 gründeten wir gemeinsam mit Freunden aus Baden und Bad Vöslau eine lokale Gruppe, die jahrelang im Kolpinghaus in Baden ihren Sitz hatte. Dort fanden die monatlichen Treffen statt, wir planten regelmäßige Events, betreuten zahlreiche Gewissensgefangene aus verschiedenen Ländern und engagierten uns im Kampf gegen Folter und Todesstrafe. Auch mit Geflüchteten, die in Österreich um Asyl ansuchten, kamen wir in diesen 20 Jahren regelmäßig in Kontakt, arbeiteten mit einer engagierten Anwältin als ehrenamtliche Dolmetscher zusammen und lernten die Schicksale der einzelnen Flüchtlinge kennen.
Zusammen mit der damaligen Badener Gruppe ‚Courage‘ verteilten wir Mitte der 90er-Jahre Lebensmittel und Kleidung an Flüchtlinge, die eine Zeit lang nicht in das überfüllte Erstaufnahmelager Traiskirchen aufgenommen wurden und somit in Weinbergen und Schwechat-Auen hausen mussten. Einige Frauen organisierten dann 14-tägig wechselnde Quartiere in Pfarrsälen, wo die Flüchtlinge bekocht und medizinisch versorgt wurden. Auch die Pfarre Bad Vöslau und Private beteiligten sich an dieser Aktion. Letztendlich, nach einem Besuch von Amnesty-und Pfarraktivisten beim damaligen Bundespräsidenten, wurden die obdachlosen Flüchtlinge doch ins Lager aufgenommen.“

mosaik: Dann kam es auch zur Gründung des Vereins VöMIT - warum?
Buchberger: „Im Jahr 2015, als auch in Österreich zehntausende Flüchtlinge Schutz suchten, rief die Stadtgemeinde Menschen zur Mithilfe in der Plattform ‚Flüchtlingshilfe‘ auf. Es wurden Deutschkurse organisiert und die Asylwerber in den Vöslauer Quartieren betreut, zu Behörden- oder Arztterminen   begleitet und Familien bei schulischen Angelegenheiten  unterstützt. 2017 wurde dann der Verein „VöMit – Miteinander in Bad Vöslau“ gegründet. Die Hauptgründe waren, mehr Klarheit durch definierte Ziele, mehr Transparenz bezüglich der Verwendung von Spenden und anderen finanziellen Zuwendungen und mehr Gewicht bei Behörden zu bekommen.  Unser gemeinnütziger Verein ist nicht auf Flüchtlingshilfe beschränkt, sondern steht für Verständnis, Respekt und Toleranz in der Gesellschaft, für Vielfalt und Inklusion und will das friedliche Miteinander von VöslauerInnen fördern, egal woher sie kommen oder wie lange sie schon hier leben.“

mosaik: Was hat sich durch Corona geändert?
Buchberger: „Corona hat mein Leben und auch das unseres Vereins anfangs sehr eingeschränkt. Viele Außenkontakte wurden auf ein Minimum reduziert und die Abhaltung von bereits geplanten Vereins-Veranstaltungen war nicht möglich. VöMit schloss sich der Initiative ‚Bad Vöslau hilft‘ an und wir verlagerten unsere Tätigkeiten auf andere notwendige Bereiche. So informierten wir Geflüchtete mittels WhatsApp-Gruppen über die Corona-Maßnahmen in mehreren Sprachen, verbreiteten die Rathauspost und riefen dringend zu großer Vorsicht auf, um die Entstehung von Clustern in Flüchtlingsquartieren zu verhindern. Auch Aktivitäten für zu Hause und ein wenig Unterhaltung wurden gepostet. Außerdem bemühten wir uns, Familien zu helfen, die während des Lockdowns Lernhilfe für ihre Kinder bzw. die notwendigen Geräte benötigten und versorgten sie gratis mit gespendeten, aufbereiteten PCs oder Laptops.“ (Interview aus unserer Novemberausgabe 2020)


 

Gerlinde Buchberger aus Bad Vöslau engagiert sich auf vielen Ebenen für ihre Mitmenschen – sei es in der Initiative „Frauenvielfalt“, in der Flüchtlingshilfe oder im Verein „VöMIT“.  Auch Corona hielt sie und ihre mithelfenden VöslauerInnen nicht davon ab, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen ...

Heidi Effenberger

Die zweifache Mutter Heidi Effenberger (51) lebt mit ihrem Mann Georg seit 17 Jahren in Bad Vöslau.Vielseitigkeit gehört zur ihrer Lebenseinstellung und zu ihrem beruflichen Werdegang: So bietet Heidi Effenberger nicht nur musikalische Frühförderungskurse an, sondern ist auch als Erwachsenenbildnerin tätig.

mosaik: Wie kam es dazu, dass Sie musikalische Kurse für Kinder anbieten?
Heidi Effenberger: „Als wir nach Bad Vöslau  gezogen sind, war unser Simon ein Jahr alt und ich besuchte in Wien mit ihm die Yamaha Musikschule, den Kurs Robbie – musikalische Frühförderung für die Kleinsten. Beim Umzug hab ich mir gedacht, ‚besuchst eben hier in NÖ einen Kurs‘, doch weit gefehlt. Bis auf ein Zwergerltreff in der Pfarre, den damals meine Nachbarin leitete, gab es  in Bad Vöslau und in der weiteren Umgebung NICHTS.  Also fuhr ich die ersten Jahre jede Woche nach Wien. Und half hier meiner Nachbarin beim Zwergerltreff – denn Singen, Fingerspiele, Kniereiter und Geschichten erzählen war so ganz meins. Die Sehnsucht danach, Kindergartenpädagogin zu werden, bestand seit meiner Jugend. Und dann gab es plötzlich in Wien die Möglichkeit,  eine Ausbildung für ‚Robbie und Kraki‘ zu machen, d.h. musikalische Frühförderung für Kinder von 6 Monaten bis 3 Jahren. Eine Umfrage ergab einen Bedarf in Vöslau und Baden und so startete ich mit September 2006 an beiden Standorten. Simon war im Kindergarten und Jakob wurde von meiner Mutter betreut.“

mosaik: Und wie entwickelte sich das weiter?
Effenberger: „Bald waren die Kinder in meinen Gruppen drei Jahre alt und ich machte die Ausbildung für Kraki+ (für Kinder von 3 – 4 Jahren). Schließlich konzipierte ich selbst das Programm ‚Max der Wal‘ für Vorschulkinder. Dazu noch den Zwergerltreff, den ich von meiner Nachbarin übernommen hatte und bald mit diesem auch in den Raum in der Hanuschgasse übersiedelte.“

mosaik: Sie haben dann bald Ihr Angebot erweitert und sind zur Erwachsenenbildnerin geworden – warum?
Effenberger: „Kindergruppen zu leiten, bedeutet Verantwortung gegenüber den Kindern UND Eltern. Man wird bald als Expertin für alles angesehen und so machte ich im Laufe der Zeit die Ausbildung zur Eltern-Kind-Gruppenleiterin beim Kath. Bildungswerk – eine wunderbare, sehr reflexive Zeit mit wunderbaren Lehrmeisterinnen. Später dann noch die Ausbildung für Montessori Kinderhaus, die mir sehr viel über Achtsamkeit gegenüber Kindern beigebracht hat. Montessori für Senioren habe ich auch als Ausbildung – da schließt sich der Kreis wieder zwischen Kindern und der älteren Generation. Da ich mit der Zeit von vielen als Expertin in Kindererziehung angesehen wurde, absolvierte ich eine zweijährige Ausbildung zur Erwachsenenbildnerin - mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit und Lebensstil. Das war sehr bereichernd und persönlichkeitsbildend. Kaum war ich fertig, gab es das Angebot ‚Elternbildung‘,  welches ich in zwei weiteren Jahren absolvierte.“

mosaik: Seit wann sind Sie nun selbstständig?
Effenberger: „Seit 2009 habe ich ein Gewerbe und  biete  immer wieder Elternbildungsworkshops an und arbeite auch für Wiener Kindergärten in diesem Bereich – zumindest bis Corona.“

mosaik: Wie hat sich diese Vielseitigkeit auf Ihr Familienleben ausgewirkt?
Effenberger: „Meine Ausbildungen waren ein wunderbarer Ausgleich zur Familie. Mein wunderbarer Ehemann genoss mein vollstes Vertrauen und meine Kinder haben eine tolle Beziehung zu ihm.“

mosaik: Aber mit all dem noch nicht genug – Ihre Vielseitigkeit reicht ja noch viel weiter ...
Effenberger: „Ja, ich habe z.B. noch die Ausbildung „Philosophieren mit Kindern“ bei Cornelia Bruell und Kai Kranner gemacht, die mir die Grundlage für wunderbare Gespräche in meinen Kindergruppen gibt. Dann noch meine Kamishibai Theater-Aufführungen, die ich mindestens drei Mal pro Semester anbiete. Die letzte Ausbildung, die durch Corona erst jetzt im September beendet wird, wo ich aber seit Herbst 2019 tätig bin, ist der Verein Rainbows – Gruppenleitung für Kinder nach Trennung und Scheidung. Eine sehr herausfordernde Tätigkeit, vor allem im Elternbereich. Durch meine Ausbildung als Erwachsenenbildnerin bin ich auch im Wifi-Neunkirchen seit 2017 als Trainerin im Pflichtschulbereich tätig. Seit letztem Schuljahr organisiere ich den Kurs auch. In Bad Vöslau habe ich über fünf Jahre die Fußballjugend betreut. Mit Jahresende übergebe ich diese Aufgabe Jüngeren. Außerdem bin ich in Bad Vöslau sehr im sozialen Bereich engagiert – im Arbeitskreis Integration, bei der Frauenvielfalt und bei VöMit (Vöslau Miteinander) – da gibt es immer einiges zu tun.“

mosaik: Wie hat sich Corona auf Ihre berufliche Tätigkeit ausgewirkt?
Effenberger: „Ich biete alle Kurse, Workshops, etc. in meinem Seminarraum in der Hanuschgasse (Kammgarnzentrum) in Bad Vöslau an. Das ist eine große Verantwortung – denn habe ich keine Arbeit (keine Anmeldungen für meine Kurse) mehr, kann ich den 47 m2 großen Raum auch nicht mehr mieten und all meine Mitnutzerinnen, die ebenso ihre so wichtigen Tätigkeiten im kleinen Rahmen anbieten, verlieren ihren Platz. Das ist gerade in diesen Zeiten eine große Herausforderung ...“ (Interview aus unserer Oktoberausgabe 2020)

Heidi Effenberger aus Bad Vöslau

Foto: Silke Ebster

Gerlinde Buchberger aus Bad Vöslau.

Foto: privat

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